Verteilerdose auf Hebräisch

Letzte Woche habe ich mich endlich dazu entschieden einen Adapter für den Stromstecker meines geliebten Computers zu kaufen. Vielmehr hatte ich keine andere Wahl, da meine Exmitbewohnerin mich rausgeworfen hat und ich in meiner neuen Wohnung ohne einen Adapter computerlos leben müsste.

Finden ist immer eine Sache für sich. Wo bekommt man einen solchen Adapter her. Diesmal war es zum Glück einfach. Der Schuster neben meiner alten Wohnung konnte mir erklären, dass es einen Elektroshop auf der Basel gibt. Den habe ich auch prompt gefunden und betrat freudestrahlend den Shop, dessen Besitzer gerade dabei war zuzumachen. Zunächst wurde ich aus dem Augenwinkel argwöhnig betrachtet und das Gespräch mit dem anderen Kunden in Ruhe beendet.

Dann war ich an der Reihe frage nach einem Adapter. Natürlich hatte ich das Kabel dabei und überreichte es gewissenhaft. Hätte sowieso nicht erklären können, was ich genau brauche.

Ja, sagte er, das ist einfach, hier hast Du einen Adapter. Nein, halt, nein das ist nicht der richtige, Du brauchst einen mit Erdung. Erdung hatte er auf Deutsch gesagt.

Wie, bitte? Erdung? Das ist Deutsch! Er grinste mich nur an und sagte: “die gesamte Elektroinstallation in Tel Aviv ist von deutschen Juden gemacht worden”. Ah, ja. Eigentlich nicht verwunderlich, die Jeckes haben hier ziemlich viel vor sich hingewerkelt, ihnen verdanken wir das wunderbare inzwischen mehr und mehr verfallende Bauhaus in Tel Aviv.

“Ja”, erklärte er weiter “fast alle Begriffe aus dem Elektrobereich kommen aus dem Deutschen, z.B. Dose, Wechselspannung, Erdung, Wechselschalter”. Ich grinste ihn an und bezahlte. “Willst Du noch einen Wodka?” (13 Uhr). Ja, warum eigentlich nicht. Heute ist der Vorabend zu Sylvester (Erev Rosh Hashana) und ich musste nur einen halben Tag arbeiten und habe nichts Besonderes vor.

Ich fragte ihn, woher er komme. Die Antwort verwunderte mich doch sehr “Syrien”. Äh, Moment – Du bist aus Syrien und trinkst Wodka? Er lachte nur laut und sagte: “Ja, aber mein Meister war ein Deutscher. Er hat mir beigebracht mit Kunden Wodka zu trinken”. Er öffnete eine Minibar, holte eine Flasche Finlandia hervor und goss uns zwei ein. Wir stießen an und plauderten noch ein wenig. Natürlich folgte eine obligatorische Einladung für nächsten Freitag, er trinke immer Wodka mit seinen Kunden zum Wochenausklang.