Ich hatte mich vor einiger Zeit bereits über die beste Reiszeit Israel ausgelassen. Damals war ich zu dem Schluss gekommen, dass der Sommer keine gute Reisezeit ist, weil es sehr heiß ist und die Preise hoch sind.
Irgendwie empfinde ich diesen Sommer anders in Tel Aviv, es ist schon mächtig heiß und die Zeit beginnt, wo es nachts nicht wirlich abkühlt. Morgens wache ich schweißgebadet auf und die Sonne kann einen regelrecht verbrennen.
Trotzdem - der Tel Aviv Sommer hat auch seine schönen Seiten. Leicht bekleidete Israelis, jede Nacht Partys bis in die Morgenstunden, lauwarmes Meer, wunderschöne Blumen. Einfach vibrierendes Leben and jeder Ecke.
Der Sommer in Tel Aviv verstärkt die ohnehin starke Kultur des draußen seins. Israelis arbeiten tagsüber und sind ab 22 Uhr überall in den Pubs zu finden. Andere sitzen im heißen Tel Aviver Nächten einfach am Strand von Tel Aviv. Aber auch tagsüber bemerkt man die Kultur des Ausgehens: die Cafes sind belagert, überall zeigt man sich und will gesehen werden.
Tagsüber kann man in Tel Aviv durchaus in Shorts rumlaufen, Israelis ziehen zum Ausgehen am Abend aber meist eine lange Hose an (zumindest die Herren). Wer nachts im Short in einer Bar oder Kneipe sitzt, wird sofort als Ausländer enttarnt. MitKonsequenzen ist nicht zu rechnen :-).
Der Tel Aviver Sommer zeichnet sich aber auch durch hohe Luftfeuchtigkeit aus. Genau das macht vielen Besuchern zu schaffen. Durch die Wind vom Meer wird die Stadt in ein feucht heißes Klima gebettet. Nicht umsonst war die gesamte Küstenregion vor der Kultivierung durch die Juden ein malariaverseuchtes Sumpfgebiet. Malaria in Israel gibt es heute nicht mehr, die hohe Feuchtigkeit konnte aber nicht abgeschafft werden.
Wer mit feuchter Hitze große Probleme hat, sollte Tel Aviv im Sommer meiden. Bei jeder Bewegung schwitzt man und man freut sich auf die nächste klimatisierte Bar. Genau wie Deutschland im Winter - nur umgekehrt.
Tags: Leben in Tel Aviv
Eben habe ich auf haaretz einen Artikel über einen neuen deutschen Blog gelesen. Es handelt sich um den Blog nasofi.blogspot.com. Haaretz titelte: “Nazis gegen Antisemetismus?”. Auf den ersten Blick verwundert dieser Spruch schon, erst ein oberflächlicher Blick auf den Blog offenbart die schauerliche theoretische Fundierung: “Ein starkes Volk verdient es zu leben… und ein krankes zu sterben”.
Im Prinzip ist der Beitrag nasofi.blogspot.com/2008/05/ein-starkes-volk-verdient-es-zu-leben.html
eine Lobeshymne an die Stärke des jüdischen Volkes, das über die Jahrunderte hinweg seine kulturelle Identität bewahrt hat, trotz aller Widerstände in der Diaspora.
Kern der Argumentation ist das unnatürliche Zusammenleben von Völkern und damit , ihrer Vermischung. Durch den Zionismus, so heißt es weiter, ist dem ein Ende gesetzt worden und die Juden haben sich unter beachtlichen Anstrengungen einen eigenen Staat erarbeitet, militärisch, kulturell und wirtschaftlich. Israel hat es - so die Betreiber des Blogs - geschafft, sich in einer feindlichen Umgebung zu behaupten.
Damit hat Israel es als starke Nation in sozialdarwinistischer Hinsicht geschaft zu überleben und verdient Respekt von nationalen Gruppen.
Ich stehe noch ziemlich rat- und fassungslos vor diesem Artikel. Ich glaube, ich bleibe es auch einfach. Beim Lesen des Blogs wurde mir leicht übel und diese Übelkeit hält an. Um wirklich etwas Fundiertes über nasofi.blogspot.com zu schreiben, müsste ich die Artikel gründlich durchlesen und mir ist beim Überfliegen der Texte schon übel geworden.
Einen Blick wert sind auf jeden Fall die Kommentare. Die lösten beim Lesen schon Brechreiz aus.
Tags: Soziologie Israel
Also gut, ich habe dofollow case by case installiert. Der Grund ist einfach: Ich benutzte selbst Blogkommentare um den einen oder anderen Link einzuheimsen. Allerdings bleibe ich dabei aus meiner Sicht fair. Ich gehe nicht systematisch die dofollow Listen durch (die ich natürlich alle habe), sondern kommentiere nur, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Darüber hinaus benutzte ich keine SEO Links, sondern meist nur meinen Namen oder Linktexte, die garantiert nicht gesucht werden. Ich sehe selber, wie SEO’s sich durch sinnvolle Kommentare einen Link abholen und kann dazu nur sagen: prima! Wir bloggen und wollen diskutieren und weiterkommen. Wenn man denn wirklich diskutiert.
Es gibt noch einen weiteres Argument, das ich so noch nirgends in dieser Form gesehen habe: wir wollen uns ja schließlich gegenseitig belohnen. Ich freue mich immer, wenn jemand auf eins meiner kleinen Projekte verlinkt und mir damit sagt: yup, schöner Content. Kommt leider selten vor, denn jeder SEO kennt die Regeln der Macht. Das gleiche gilt, wenn ich sehe, dass mein Kommentar angenommen wurde - mit Link. Heißt für mich a) Kommentar war fundiert und b) dein Blog ist einen Link Wert, auch wenn er nicht unbedingt in meinem Gebiet ist.
Meine E-Mail steht übrigens im Impressum: wer etwas Geistreiches posten will, soll mich einfach fragen und ich werde mich nicht lumpen lassen.
Ein weiterer Grund ist, dass ich mich langweile. Falls es zu schlimm werden sollte, dann kann ich ja immer noch diverse Spamabwehrtools installieren.
Einige Dinge möchte ich klarstellen:
- keine Anker mit umkämpften Suchbegriffen
- Kommentiert nur, wenn ihr was Sinnvolles zu sagen habt.
- wer meint, er kann hier über Araber lästern, liegt falsch. Ich bin dankbar darüber, dass ich in Ägypten Urlaub machen kann und meinen israelischen Paß nicht verstecken brauche. Ich bin froh, dass ich nach Petra in Jordanien fahren kann, wenn ich das will. Im Übrigen habe ich zulange in Deutschland gelebt, um nicht einige arabische Freunde zu haben.
- blauäugige Heulkommentare, dass wir den Palästinensern ihr Land abgenommen haben, lösche ich ebenfalls, denn ich weiß, dass jede vernünftige Argumentation am Ende mit “trotzdem” beendet wird. Das gleiche gilt für heuchlerische Kommentare über das israelische Militär. Nein, die IDF ist bestimmt nicht frei von Schuld, aber beten tue man in der Kirche und dort gehe ich nicht hin. Israel liegt nicht in Europa, wo wir alle von Krieg gründlich die Schnauze voll haben. Wer nicht versteht, dass hier andere Gesetzte gelten, kann sich auf linken Veranstaltungen ausheulen und anschließend sein Familientrauma analysieren.
- Letzteres heißt nicht, dass ich rückhaltlos hinter jeder Form von zionistischer Politik stehe. Vor allem amerikanische Siedler, die meinen, freiwillig ins Ghetto ziehen zu müssen (Siedlungen in der Westbank) widern mich an. In Israel geschehen Dinge, über die ich kotzen könnte, aber ich lebe hier, bin stolz darauf und versuche mich den Realitäten zu stellen.
Tags: Persönliches
Folgende Geschichte habe ich gerade auf muqata.blogspot.com gelesen. Der Blogpost ist auf English und wurde von Jameel gepostet:
”
Dieser Blogpost basiert auf einem Interview, das am 19.05.2008 vom israelischen Armeerundfunk (Galei Tzahal) gesendet wurde. Interviewed wird der Kommandeur eines Checkpoints zu den palästinensischen Gebieten.
Der Kommandeur ist 22 Jahre alt, dient in der sogenannten Nachal Brigarde und berichtet von einem Vorfall, der sich innerhalb von acht Sekunden zutrug (sein Name wird nicht erwähnt):
Ein 16 Jahre alter Palästinenser (so alt sah er jedenfalls aus) näherte sich dem Checkpoint der israelischen Armee (IDF).
1 Sekunde
ein Soldat (Michal) bemerkt, dass der Junge nervös wirkt und sich ständig umschaut. Sein Hemd sieht ausgebeult aus.
2 Sekunden
Er geht durch den Metalldetektor und es piept. Michal fragt, warum sein Hemd ausgebeult ist.
3 Sekunden
Er zieht sein Hemd hoch - auf seinem Körper haften drei Bomben.
4 Sekunden
Michal schreit, “Bombe am Checkpoint” und alle Soldaten folgen den Anweisungen für terroristische Übergriffe auf Checkpoints. Der Checkpointkommandeur richtet eine M16 (ein Maschinengewehr) auf den Terroristen.
5 Sekunden
Michal schreit: “Hände über den Kopf und dort halten”.
6 Sekunden
Der Palästinenser hebt seine Hände, zögert, seine Hände zittern.
7 Sekunden
Seine Hände gehen wieder nach unten in Richtung der Bomben, die an seiner Brust haften.
Der Checkpoinkommandeur schießt ihm in den Kopf.
8 Sekunden
Der Terrorist beginnt zu fallen, seine Hände scheinen aber immer noch in Richtung der Bomben zu zucken. Der Kommandeur schießt drei weitere Salven in seinen Kopf und passt dabei auf nicht die Bomben zu treffen.
Resultat: keine toten Soldaten, ein getöteter Palästineser.
Acht Sekunden - es hätte anders ausgehen können.
“
Tags: Persönliches
In den letzten beiden Jahren hat sich viel auf dem Online Wörterbuchmarkt getan. Ich ärgere mich etwas, weil ich diese tollen Tools vor zwei Jahren als ich Hebräisch gelernt habe, noch nicht zur Verfügung hatte.
Meine Suche nach English/Hebräisch Wörterbüchern führten zu immer den selben nervigen Bezahlseiten. Der Ulpan (die Hebräischschule) war noch rückständiger: es wurden Lernhilfen in Form von Kassetten ausgeteilt. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal mehr CD’s.
Im letzten Jahr hat sich das Hebräisch - Englisch Wörterbuch Morfix.co.il einen festen Platz auf den vorderen Rängen bei google erkämpft. Seit ich morfix.co.il kenne, ist das English/Hebräisch Wörterbuch nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken.
Mittlerweile gibt es sogar ein Online Wörterbuch in deutscher Sprache: milon.li, entwickelt von Ingrid Kaufmann. Es funktioniert in beide Richtungen als Wörterbuch Hebräisch Deutsch und als Wörterbuch Deutsch Hebräisch.
milon.li (Hebräisch für Wörterbuch) bietet darüber hinaus einen Überblick über die hebräische Grammatik und wertvolle Links für Hebräischinteressierte. Für Fortgeschrittene ist das Wörterbuch aber das Highlight.
Auf jeden Fall bedanke ich mich bei Ingrid Kaufmann für das Veröffentlichen ihres Wörterbuches, sponsore sie hiermit mit ein paar Links und hoffe, dass Sie für den Suchbegriff “hebräisches Wörterbuch” in den nächsten Tagen auf Platz 1 bei google ist, denn dort gehört milon.li ohne Zweifel hin.
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May 19th, 2008 · Comments Off
Eigentlich bin ich Soziologe. Bevor ich angefangen habe, das deutsche Internet unter den verschiedensten Pseudonymen (meist weibliche) vollzuspammen habe ich Soziologie studiert und danach in einem angesehenen Marktforschungsinstitut gearbeitet.
Nie zuvor ist mir so klar gewesen, was Sprache für Beziehungen oder Partnerschaften ausmacht. So ein richtig zünftiger Streit in einer Beziehung? Seinen Partner so richtig anschreien (feistes Händereiben)? Versuchen Sie es mal auf Englisch oder noch besser auf Hebräisch. Die Emotionen, die für das Verständlich machen der wichtigen Botschaft, die in das Schreien, den Ausdruck hineingehören finden ihren Weg plötzlich nicht mehr. Das Klar machen, dass einem etwas wichtig ist, Grundbedürfnisse betroffen sind und dies mit Gefühlen zu untermauern verfängt sich plötzlich im Babel.
Plötzlich, als ich abends mal wieder auf das Meer schaute und darin versinken wollte, wurde mir die Dimension von Sprache in Beziehungen klar. Etwas soziologisch zu analysieren oder etwas auf individueller Ebene nachvollziehen zu können, sind zwei Paar Schuhe. Abgefahrenes soziologisches Geschwafel war noch nie mein Ding: kommt zur Sache Soziologen und hört auf, Euch hinter drei Seiten langen Sätzen zu verstecken.
Ich merke, wie schwierig es ist, mit einer Partnerin zu kommunizieren, wie schwierig es für uns beide ist, uns auf etwas so natürlichem wie Geschlechterrollen zu artikulieren.
Warum heiraten Ausländer untereinander?
Tags: Soziologie Israel
Ich bewerbe mich zur Zeit recht intensiv im heiligen Land wo Milch und Honig fließen. Dabei ist folgende Geschichte passiert. Bevor ich das Gespräch wiedergebe, muss ich aber erst den Hintergrund erklären:
Es ist mir noch nie passiert, dass das erste Bewerbungsgespräch tatsächlich stattgefunden hat. Die HR Tanten rufen einen an und vereinbaren einen Termin, den sie später möglichst kurzfristig mit dem Kommetar “excuse me for the short notice” absagen.
Ich bin nicht der einzige, dem das passiert, es scheint Teil einer übergeordneten Sinngebung oder vielleicht einfach eine Taktik zu sein. Ben meint, es handelt sich um eine Zermürbungstaktik. Da bin ich mir nicht so sicher, hat man das Prinzip nämlich einmal begriffen (freilich, ohne eine Erklärung dafür zu haben), stellt man sich einfach darauf ein.
Nun bekam ich gestern einen Anruf:
- Hallo ich bin XY von der Firma XX.
- Ja, Maxime spricht
- Du hattest einen Termin für ein Bewerbungsgespräch und bist nicht gekommen!
- Tja, äh das ist richtig. Aber wieso hätte ich denn kommen müssen, der erste Termin wird doch immer abgesagt.
-
- (sie war wohl wie vom Donner gerührt)
Ich sagte:
- ich muss Dir wohl nicht erklären, wie man einen Termin für ein Bewerbungsgespräch festlegt. Termin vereinbaren und den Termin dann kurzfristig mit dem Kommentar excuse me for the short notice absagen.
- stimmt, das hatte ich vergessen.
- macht nichts, können wir uns denn diese Woche noch treffen?
- äh, passt es Dir morgen gegen 15 Uhr?
- nein, da arbeite ich ja noch. Geht es auch abends?
- Ja, ich habe noch einen Termin um 17 Uhr frei.
- Gut, den nehme ich.
Diese Geschichte ist erstunken und erlogen.
PS: seit ich dieses Blogpost geschrieben habe, wurden kein Bewerbungsgespräche mehr abgesagt. Schlimmer noch, ich bekomme vor dem Termin einen Anruf, ob ich denn kommen würde.
Tags: Arbeiten in Israel
Schlimmer kann es nicht kommen: Moses hat sein eigenes Volk verkauft und gezwungen, 40 Jahre durch die Wüste zu irren. Ich finde das einfach nur zum kotzen und habe keinen Bock mehr auf diese lausigen Geschichten und vor allem keine Lust mehr auf die Interpretation von Raschi. Doch halt, eigentlich fing alles mit Pessach an:
Wen interessiert es, woher dieses dämliche Pessachfest herkommt und warum die Juden 40 Jahre durch die Wüste irren mussten? Mich! Selbst Schuld heißt die immer noch aktuelle Interpretation von Raschi aus dem Mittelalter. Gott hat uns Juden bestraft, weil wir das goldene Kalb angebetet haben. Daraufhin zerbrach Moses die Steintafeln mit den ersten 10 Geboten und ging wieder auf den Berg Sinai hoch.
Zu schnell? Ok, sorry. Das Volk Israel verließ - von Gott geleitet - die Sklaverei in Ägypten, um von Moses verkauft zu werden. So zumindest interpretiert es Raschi. Das Volk Israel verließ die ägyptische Sklaverei, nachdem Gott die Ägypter mittels der 10 Plagen dazu genötigt hatte. Vielmehr war es nur die letzte Plage, die Pharao überzeugte. Die ersten neun Plagen verfehlten ihre Wirkung. Erst als er jeden erstgeborenen Sohn tötet, war Pharao überzeugt. Die einzige Ausnahme war Pharao selbst. Das macht natürlich Sinn, es musste ja einen geben, der die Juden ziehen ließ. Eine Frau hätte niemals so viele Menschen umgebracht, ich leite daraus ab, dass Gott männlich ist, oder zumindest die Leute, die damals über Gott geschrieben haben.
Aus Gründen, die ich nicht recherchiert habe, durften die Juden kein gesäuertes Brot essen. Das wird heute zum Anlass genommen, Menschen wie mich in eine Depression zu stürzen: Depression wegen Kohlenhydratmangel. Während des Passahfestes darf kein gesäuertes Brot gegessen werden. Das schließt Nudeln, Brot, Bier und Hamburgerbrötchen ein. Natürlich auch Pizza.
Nun irgendwann mal sollte die Sache klar gemacht werden, der Bund mit Gott und Moses ging den Berg Sinai hoch. Er verbrachte eine lange Zeit dort oben und redete mit Gott. Dieser - so die Überlieferung - gab ihm die 10 Gebote und ne Menge drum herum, so z.B. dass man das Zicklein nicht in der Milch der Mutter kochen darf. Zu Deutsch - Fleisch und Milch dürfen nicht gemischt werden. Aber verkünden tat Moses das erst, als er zum zweiten Mal herunterkam. Denn das erste Mal missglückte laut Überlieferung:
Er ließ sich Zeit da oben bei seiner ersten Kontemplation. Das Volk war führungslos und bastelte ein goldenes Kalb. Vermutlich hatten sie Hunger oder wollten einfach mal wieder ein saftiges Steak statt Matzen essen. Moses kam dann irgendwann doch noch mal runter und war sauer. Warum habt ihr nicht an mich geglaubt? Warum verpönt Ihr Gott, während ich mit ihm spreche? Zerbrach die Tafeln mit den 10 Geboten und ging wieder hoch. Dabei war das Volk sich selbst überlassen und war einfach nur ein bisschen undiszipliniert. Die Führung verpisst sich ein paar Wochen einfach und erwartet, dass alles Friede Freude Eierkuchen ist, wenn sie zurückkommt. Moses war also in Wirklichkeit eine Frau. So überreagieren kann nur eine Frau.
Und hier wird es spannend.
Raschi interpretiert, dass Moses dort oben einen Deal mit Gott schloss. Das Volk Israel durfte ins heilige Land, aber nicht die Generation, die das goldene Kalb angebetet hatte. Wer ist Raschi? Schlomo ben Jizchak, auch Schelomo ben Isaak, einfach nur Raschi genannt.
Bibelforscher hatten sich vorher den Kopf zermartert, warum das Volk Israel so dämlich war, 40 Jahre für den kurzen Weg von Ägypten ins Land Kanaan zu brauchen. Dabei wurde es sogar von einem Engel geführt. In die Irre ganz offensichtlich. Eine harte Strafe für ein kleines goldenes Kalb oder einfach Lust auf ein saftiges Steak.
Dabei war Raschi einfach nur ein fleißiger Leser und brillanter Kopf. Er war der erste Kommentator, der diesen Sachverhalt herausstrich. Den Sachverhalt, dass das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste irren musste, damit die Generation, die das goldene Kalb angebetet hatte, stirbt und die ‘reine’ neue Generation ins gelobte mücken und malariaverseuchte Land einziehen kann.
Die Interpretation lag auf der Hand. Wieso brauchte das Volk Israel so lange für diesen Weg, den man in einigen Monaten hätte zurücklegen hätte können?
Warum dauerte es so lange, bis einer sie niederschrieb? Vielleicht, weil die Konsequenz dieser Interpretation so grauenerregend und menschenverachtend ist, dass man es dem heiligen Volk nicht zumuten konnte. Ich weiß es nicht. Jedenfalls scheinen sich bis heute nicht sehr viele Juden darüber zu beschweren.
Bevor ich 30 geworden bin, war ich stolz darauf diese Interpretation zu kennen. Mit 33 gab ich diese Geschichte einmal vor einem brillanten Immobilienmakler zum Besten. Er schaute mich nur an und sagte: “Don’t believe in this shit”. Mir wären fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Ich war wie vom Donner gerührt. Ich sprach nicht mehr mit ihm darüber, aber ich bin mir sicher, dass er diesem Text bedingt zustimmen würde.
Mit einer kleinen Nuance. Es ist gut, dass das Volk daran glaubt, es ist schön gefügig und lässt sich weiter ausbeuten. Das wäre vermutlich seine Interpretation.
Moses kam also wieder runter - den feisten Deal geschlossen - und führte das Volk 40 Jahre im Kreis. Solange, bis sie alle gestorben waren und die ‘reine’ Generation das heilige Land Kanaan betreten durfte.
Scheiße, das nächste Mal kaufe ich mir vor dem Passahfest 20 Kilo Nudeln und ein halbes Schwein, das ich in fünf Litern Sahne kochen werde.
Tags: Persönliches
Junge, ich wollte eigentlich nur ein gemütliches Passahfest verbringen. Stattdessen habe ich die volle Ladung Depressionen bekommen und auch noch angefangen Philippe Djian zu lesen.
Heute ging es mir deutlich besser und mir wurde schnell klar warum: das Fehlen von Weizen oder Nudeln hatte wohl zu der Depression geführt. Da waren meine ganzen Vorsätze, tolle Sachen über das Passahfest zu schreiben wohl vergessen. Ich konnte einfach nicht. Eine völlige Antriebsarmut überkam mich in dieser Zeit.
Während des gesamten Passahfestes ist der Genuß von Weizen verboten. Nicht, dass man in Tel Aviv kein Brot oder keine Nudeln bekommt. Tel Aviv ist weltlich genug, um sich gegen religiöse Handschellen zur Wehr zu setzen. Aber irgendwie habe ich doch mitgemacht.
Morgens ein Mazebrötchen, mittags einen Salat und abends ein Bier. Das Bier wäre natürlich ebenso verboten gewesen, da es vorrangig aus Weizen hergestellt wird. Das habe ich mir nicht nehmen lassen, genutzt hat es aber nichts.
Pizza Hut ist über Pesach geschlossen und Burgerking verkauft Hamburger im Mazebrötchen - würg. Die Depression über das Passahfest hat mich voll erwischt und sie dauerte bis ca. 200 Gramm Nudeln.
Gestern Abend war es vorbei und ich bin wie in Trance in den Supermarkt und habe mir ein Kilo Nudeln gekauft. Eine große Portion gekocht und mir mit einer Tomatensauce und reichlich Pecorino reingefahren. Heute Morgen ging es mir deutlich besser. Nach der Nudelration zum Mittagessen endete meine Pessahdepression. Ich kam in Hochstimmung und erfreute mich des Lebens.
Das Passahfest ist vorbei und meine Depression auch. Das nächste Mal kaufe ich mir vor dem Fest 10 Kilo Nudeln, das schwöre ich!
Tags: Hebräische Eigenheiten
Eben kam Kayan in mein Büro und sagte:
„schon wieder Passah, wie nervig“.
Warum?
„Meine Mutter geht mir völlig auf die Nerven. Ich soll mein Auto putzen.“
Weil Pessach ist? Was hat Pessach mit Auto putzen zu tun?
„Nein, sie will, dass ich das Auto staubsauge, weil ja noch Brotreste im Auto sein könnten.“
Ich war wie vom Donner gerührt. Abgesehen davon, dass er bestimmt keine Brotreste, sondern wenn dann Pitareste im Auto hat, hat die Geschichte schon Hand und Fuß. Zum Passah Fest muss alles gesäuerte Brot aus dem Haushalt entfernt werden (also vorher, genau genommen).
Dazu gehört im engeren Sinne natürlich auch das Auto. Mütter tyrannisieren Ihre Söhne und Ehemänner also mit: „Geh das Auto saugen, es könnte noch Brot darin sein“.
Hiermit sei angekündigt: Das Passahfest beginnt und ich werde die nächsten Tage etwas mehr dazu bloggen.
Tags: Lustiges aus Israel
Am 16. April 2008 beobachteten israelische Elitesoldaten verdächtige Personen an der Grenze zu Israel im Gazastreifen. Diese näherten sich dem Grenzzaun. Die Stimmung ist in Israel zurzeit nervös, weil das Pessachfest naht und die Infiltration von Terrorverdächtigen verhindert werden soll. Weiterhin hat die Hamas mehrfach gedroht, den Zaun zur israelischen Seite zu sprengen.
Der Kommandeur der Elitetruppe reagierte prompt und schickte seine Leute über den Zaun, um die Terroristen abzufangen. Dabei machte er einen verhängnisvollen Fehler. Er prüfte nicht ausreichend, ob die Terroristen gedeckt waren. Auf dem nahe gelegenen Hügel war ein weiterer Hamasaktivist versteckt, und die Soldaten gerieten unter schweres Maschinengewehrfeuer. In der Folge starben drei israelische Soldaten, zwei wurden leicht verletzt.
Zunächst sah alles nach einem Hinterhalt aus. Die israelische Armee dementierte diese Darstellung allerdings im Laufe des Tages. Die Terroristen seien lediglich gedeckt worden. Damit stellte sich die Frage, ob der Kommandeur der Eliteeinheit fahrlässig gehandelt hat.
Die Elitesoldaten stehen zurzeit unter Druck. Mehrere Kommandeure wurden von Ihrer Position freigestellt, weil sie ihre Ziele bei Einsätzen nicht erreicht haben. Ziele sind Verhaftungen und Tötungen von Terroristen im Gazastreifen unter schwersten Bedingungen. Das war dem Kommandeur klar und er musste seine Leute losschicken, beherzt und kaltblütig. Der Druck auf die Eliteeinheiten ist groß - seine Order lautet: Infiltrationen verhindern und Terroristen töten.
Warum sind die Soldaten gestorben? Weil der Kommandeur unter Druck stand und die Lage nicht besonnen sondiert hat? Die israelische Armee verneint dies. Es gäbe Situationen, wo man schnelle Entscheidungen treffen und angreifen müsse. Dabei können Fehler passieren. Zentral ist, dass der Kommandant der israelischen Elitetruppen beherzt den Befehl zum sofortigen Eingreifen gegeben hat. Dabei sind allerdings drei Soldaten ums Leben gekommen.
Dies ist die aktuelle Nachrichtenlage und passt ins Land. Stürmen und dann fragen. Schießen und dann schauen. Aktion und dann Nachdenken. Allerdings ist diese europäische Perspektive ein wenig arrogant. Wie viele örtliche Gegebenheiten kann man prüfen, bevor man seine Leute losschickt? Wie viel Zeit hat man, bevor die Terroristen sich in ihre Verstecke zurückgezogen haben?
ch weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie besonnen ich reagiert hätte. Ich weiß nicht, was passiert, wenn man extremen Gruppen Schwäche zeigt. Fest steht, dass mir der Blutzoll zu hoch ist. Fest steht aber auch, dass man mit der Hamas nicht verhandeln kann. Man kann nicht mit einer Gruppe verhandeln, deren festgelegtes Ziel die Vertreibung der Juden aus der Region ist.
Tags: Hebräische Eigenheiten
March 26th, 2008 · Comments Off
Also mit Heavy Metal kenne ich mich eigentlich überhaupt nicht aus.
Heavy Metal Band Israel
Tags: Uncategorized
Eigentlich mochte ich Angela Merkel noch nie so besonders. Heute hat sie dennoch mein Herz erobert. Und das Herz vieler Israelis. Nein, ich denke nicht, dass die histroische Tragweite mit “Ich bin ein Berliner” zu vergleichen ist. Dafür war Merkel doch ein wenig zu langatmig mit Ihrer Ansprache. Die großen Sätze dieser Geschichte sind kurz.
Nach der Arbeit habe ich eine kleine Tour durch Tel Aviv gemacht war in verschiedenen Kiosken. Gebannt schauten die Kioskbesitzer in die Röhre, viele wussten noch gar nicht, dass Merkel sich auch auf Hebräisch an die Knesset gewendet hatte. Die Reaktion war vor allem: Überraschung.
Angela Merkel hat mit hebräischer Eröffnung und hebräischem Schluss das Eis gebrochen. Soviel steht fest. Selbst moderate Israelis - vor solche, die kaum etwas mit Deutschland zu tun haben, geschweige denn etwas über Deutschland wissen, fanden es etwas befremdlich, dass in der Knesset Deutsch gesprochen werden sollte. Dass sich Angela Merkel vor der Knesset mit Kritik zurückhalten würde, war ohnehin klar. Aber Hebräisch war eine Überraschung und mehr - es war ein Friedensangebot an all die Kritiker und Aufrührer, die kein Deutsch in der Knesset hören wollten.
Auf der anderen Seite ist es unheimlich, dass die Kritik fast ausschließlich aus dem sehr rechten Lager kam. Es hatte fast den Anschein, dass Merkels Ankündigung, vor der Knesset auf Deutsch zu sprechen eher für rechte Parolen missbraucht wurde als dass sich eine wirklich fundamentale Kritik daran festmachen ließ. Das moderate rechte Lager kritisierte Merkels Entscheidung zwar ebenfalls im Vorfeld, schwieg dann aber nach Merkels Rede. Ich denke, nicht nur, weil jeder Schuss hier nach hinten losgegangen wäre. Nein, eigentlich war Merkel zu “hamud”, zu süß um beschossen zu werden.
Shimon Peres konnte sich ein kurzes Flackern mit den Augen zwar nicht verkneifen. Angesichts seines Alters lässt sich das aber hoffentlich verzeihen…
Damit hatte wohl keiner gerechnet. Mein Gefühl sagt mir, dass Angela Merkel einen Riesenfan in Israel hat - Zipi Livni. Ich würde gerne wissen, wer diese Idee hatte. Naja, mal sehen, ob Zipi es irgendwann einmal bis ganz nach oben schaffen wird.
Tags: Persönliches
March 17th, 2008 · Comments Off
Die Russen kommen. Mit Glasnost und Perestroika öffnete sich für viele russische Juden die Möglichkeit, Russland zu verlassen und ins Land, wo Milch und Honig fließt auszuwandern. Auf Milch und Honig warten Sie noch heute, aber das tun die meisten Israelis auch.
Ca. 1 Millionen Russen sind seit 1990 nach Israel eingewandert. Die israelische Bevölkerung ist durch die russische Einwanderungswelle um ca. 20 Prozent gewachsen. Es gab riesige Probleme die vielen Russen unterzubringen, die Hebräischkurse hoffnungslos überfüllt.
Aber darüber will ich gar nicht sprechen. Wichtiger ist mir gerade, dass viele der russischen Einwanderer kein English sprechen. English wird in Russland einfach nicht an der Schule gelehrt und so habe ich mich daran gewöhnt, mit russischen Israelis Hebräisch zu sprechen. Sofern ich sie denn treffe, was eher selten passiert. Es sei denn, ich bin gerade im Supermarkt. Ansonsten ist die Schnittmenge eher gering. Russen, die in jungen Jahren nach Israel eingewandert sind (bzw. sogar hier gebohren wurden), sprechen übrigens hervorragend English, es kommt immer ganz darauf an, in welchem Alter sie eingewandert sind.
Nun hatte mein Chef die großartige Idee, man könnte endlich auf dem russischen Markt aktiv werden und hat einen russischen Israeli eingestellt. Da ich für Content und Landesentwicklung zuständig bin, landen Neulinge erst einmal bei mir. Super, dass man Chef vorher geprüft hat, ob Leonid Englisch spricht.
Und er kann kein English. Also gibt es nur eine Sprache, in ich mich mit Leonid verständigen kann: Hebräisch. Und ich fand mich das erste Mal, seit ich in Israel bin damit beschäftigt, jemandem auf Hebräisch zu sagen, was er tun soll.
Irgendwie geht die Geschichte immer weiter, es passiert ständig etwas neues in diesem Land. Ständig stehe ich irgendwo auf dem Schlauch. Konversationen mit Ihm sehen etwas so aus:
Maxime (4:21 PM):
leonid, you need a Russian keyboard.
leonidos (4:22 PM):
למה אתה שואל ?
Maxime (4:23 PM):
its not a question, how do you want to write in Russian with out a keyboard.
leonidos (4:23 PM):
כן, אני צריך
עברית, אנגלית, רוסית
Maxime (4:24 PM):
do you know where to get one? It might be easier that you buy the keyboard and BOSS gives you the money for it…
leonidos (4:24 PM):
אני אבדוק את זה, בסדר
Maxime (4:25 PM):
thanks!
Leonid ist früher als ich nach Israel gekommen und hat früh Hebräisch gelernt. Trotzdem hat er noch diesen starken russischen Akzent. Schreiben kann er besser auf Hebräisch, als auf Englisch. Und verstehen würde er mich auf English, kann aber nicht auf English antworten. So reden wir eben Hebräisch und schreiben uns auf Hebräisch und English.
Es wird zum Alltag, sich im Sprachchaos zu befinden. Die meisten Israelis merken es gar nicht so, weil sie viel Hebräisch untereinander sprechen. Aber ich merke es. Ich merke, was die Einwanderer leisten müssen, wie viele Sprachen sie gleichzeitig sprechen und verstehen müssen.
Egal, manchmal langweile ich mich dennoch 
Tags: Arbeiten in Israel
March 6th, 2008 · Comments Off
Spätestens seit Iris Bahr sich seitenweise über Ihre Asienabenteuer ausgelassen hat, weiß so ziemlich jeder, was eine gute Israelin nach zwei Jahren Militärdienst macht. Israelis müssen drei Jahre zum Militär (IDF) und machen nach dem Militärdienst das gleiche wie Israelinnen.
Sie fahren auf Weltreise. In Israel gibt es kaum junge Menschen zwischen 20 und 22, weil sich diese alle auf Weltreise befinden, vornehmlich in Indien, Thailand und Südamerika. Einige machen darauf das Geschäft ihres Lebens und beginnen indische Schönheitsprodukte nach Israel zu importieren. Andere ruinieren ihr Leben, indem sie sich in Indien mit Hasch erwischen lassen. Aber dafür gibt es in Tel Aviv zum Glück bereits spezialisierte Anwälte: wir holen Ihre Kinder aus dem indischen Knast.
Die Army ist hart in Israel, nicht wenige Israelis sterben bei Übungen oder Kriegseinsätzen. Was die IDF nicht schafft, schaffen aber unter Umständen australische Krokodile. Ein Israeli (22, also nach dem Militär) befand sich mit einem Freund in Australien als sich folgendes zutrug:
Israeli in Australien
Tags: Lustiges aus Israel