Heute habe ich ausgiebig mit einem Freund gechattet. Dabei haben wir uns ausgiebig über die politische Situtation ausgelassen. Jeder nach seiner Facon. Zum Chatten haben wir skype benutzt. Bestimmte Teile unserer Diskussion wurden nicht übermittelt.
Offenbar bin ich im Visir das Mossad. Der Mossad scheint Gespräche systematisch abzuhören, sogar harmloses Chatten zu verfolgen und auf bestimmte keywords zu scannen:
Die Überwachung durch den Mossad hat mich ziemlich geschockt. Die Tatsache, dass dies schon einiger Zeit so geht noch viel mehr. Plötzlich wurde mir klar, warum ich ernorme Probleme mit meinem FTP Zugang habe. Die Trennung des FTP Zugangs erfolgte nach Angaben der Hosts immer von meiner Seite. Einige Anbieter sprachen sogar davon, dass mein Rechner Ports benutzt, von deren Existenz sie nichts wussten.
Der Mossad scheint Chatten systematisch auf bestimmte keywords zu prüfen und den Datenfluss beim Auftauchen solcher keywords zu unterbinden. Es ist nicht das erste Mal, dass ich beim Chatten unterbrochen wurde. Aber das erste Mal, dass es in der Klarheit auftauchte.
Ein sehr schockierendes Video. Ein gefesselter Palästinenser mit verbundenen Augen wird von einem IDF Soldaten vorsätzlich ins Bein geschossen. Ein ranghoher Offizier hat dies offensichtlich angeordnet, er ist am Ende des Videos kurz zu sehen. Verhaftet wurde später nur der Soldat.
Ich habe gesehen, dass das Video bereits seinen Weg durch alle großen Medien gemacht hat, auch in Israel. Und das ist gut so. Israel ist eine Demokratie und ein freiheitliches Land, indem solche Vorfälle aufgearbeitet werden müssen.
Mit Sorge schaue ich jedoch auf unsere Nachbarn, wo Verstöße gegen die Menschenrechte an der Tagesordnung sind, schön getarnt in Kellern und Gefängnissen. Mörder wie Samir Kuntar darf sich seiner Taten unbehelligt brüsten, Nasrallah darf sich als die wahre Kraft im Libanon bezeichnen und Staatspräsident Suleiman jegliche Macht absprechen, ohne das ausländische Medien (abgesehen von den israelischen) ein riesiges Geschrei anfangen.
Israel steht ganz offensichtlich stärker im Focus der Medien und wird kritischer bewertet.
Ja, vor einem Post über hebräische Jungennamen habe ich mich lange Zeit gedrückt. Über hebräische Mädchennamen habe ich mich ja bereits ausgelassen und vielleicht hat sich der eine oder andere treue Leser gefragt, warum ich niemals etwas über israelische Jungennamen geschrieben haben.
Wer mich kennt, kann sich den Grund schon denken. Heute hat das Leben einen Schritt nach vorne gemacht und Zohar hat mir gesagt, welche Namen für unseren Sohn so in ihrem Kopf herumschwirren. Sie hat mir zwei Namen genannt, diese aber als Geheimnis bezeichnet. Sie möchte sich erst festlegen, wenn er da ist. Es ist Grund genug, sich die gängigen israelischen Jungennamen einmal anzuschauen. Die zwei Namen befinden sich natürlich auf der Liste, welche wird nicht veraten:
Es gibt einige israelische Comiczeichner, die wenigsten sind online zu sehen. Grund genug hier einen Vertreter der Onlinekaste vorzustellen, shabot6000.com.
Es handelt sich um jüdische Comics im Garfieldstil, nur das der gute alte Garfield durch einen Roboter ersetzt wurde. Der Zeichner scheint zur Zeit sehr viel zu daten, denn die israelischen Comics ist voll mit Witzen über jdate, einer jüdischen Datingseite.
Es geht in den jüdischen Comics natürlich auch um jüdische Schwächen und es wird Schabernack mit den religiösen Riten getrieben. Schrimps sind nach jüdischen Essensriten beispielsweise verboten. Gott überlieferte all diese Regeln in der Wüste Sinai. Gott darf als Name niemals ausgesprochen werden, darum wird er nur “der Name”, “Hashem” genannt.
Einen kleinen Ausflug ist die Seite wert, auch wenn ich nicht gerade vor Lachem vom Hocker gefallen bin. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Ich hatte mich vor einiger Zeit bereits über die beste Reiszeit Israel ausgelassen. Damals war ich zu dem Schluss gekommen, dass der Sommer keine gute Reisezeit ist, weil es sehr heiß ist und die Preise hoch sind.
Irgendwie empfinde ich diesen Sommer anders in Tel Aviv, es ist schon mächtig heiß und die Zeit beginnt, wo es nachts nicht wirlich abkühlt. Morgens wache ich schweißgebadet auf und die Sonne kann einen regelrecht verbrennen.
Trotzdem – der Tel Aviv Sommer hat auch seine schönen Seiten. Leicht bekleidete Israelis, jede Nacht Partys bis in die Morgenstunden, lauwarmes Meer, wunderschöne Blumen. Einfach vibrierendes Leben and jeder Ecke.
Der Sommer in Tel Aviv verstärkt die ohnehin starke Kultur des draußen seins. Israelis arbeiten tagsüber und sind ab 22 Uhr überall in den Pubs zu finden. Andere sitzen im heißen Tel Aviver Nächten einfach am Strand von Tel Aviv. Aber auch tagsüber bemerkt man die Kultur des Ausgehens: die Cafes sind belagert, überall zeigt man sich und will gesehen werden.
Tagsüber kann man in Tel Aviv durchaus in Shorts rumlaufen, Israelis ziehen zum Ausgehen am Abend aber meist eine lange Hose an (zumindest die Herren). Wer nachts im Short in einer Bar oder Kneipe sitzt, wird sofort als Ausländer enttarnt. MitKonsequenzen ist nicht zu rechnen .
Der Tel Aviver Sommer zeichnet sich aber auch durch hohe Luftfeuchtigkeit aus. Genau das macht vielen Besuchern zu schaffen. Durch die Wind vom Meer wird die Stadt in ein feucht heißes Klima gebettet. Nicht umsonst war die gesamte Küstenregion vor der Kultivierung durch die Juden ein malariaverseuchtes Sumpfgebiet. Malaria in Israel gibt es heute nicht mehr, die hohe Feuchtigkeit konnte aber nicht abgeschafft werden.
Wer mit feuchter Hitze große Probleme hat, sollte Tel Aviv im Sommer meiden. Bei jeder Bewegung schwitzt man und man freut sich auf die nächste klimatisierte Bar. Genau wie Deutschland im Winter – nur umgekehrt.
Eben habe ich auf haaretz einen Artikel über einen neuen deutschen Blog gelesen. Es handelt sich um den Blog nasofi.blogspot.com. Haaretz titelte: “Nazis gegen Antisemetismus?”. Auf den ersten Blick verwundert dieser Spruch schon, erst ein oberflächlicher Blick auf den Blog offenbart die schauerliche theoretische Fundierung: “Ein starkes Volk verdient es zu leben… und ein krankes zu sterben”.
Im Prinzip ist der Beitrag nasofi.blogspot.com/2008/05/ein-starkes-volk-verdient-es-zu-leben.html
eine Lobeshymne an die Stärke des jüdischen Volkes, das über die Jahrunderte hinweg seine kulturelle Identität bewahrt hat, trotz aller Widerstände in der Diaspora.
Kern der Argumentation ist das unnatürliche Zusammenleben von Völkern und damit , ihrer Vermischung. Durch den Zionismus, so heißt es weiter, ist dem ein Ende gesetzt worden und die Juden haben sich unter beachtlichen Anstrengungen einen eigenen Staat erarbeitet, militärisch, kulturell und wirtschaftlich. Israel hat es – so die Betreiber des Blogs – geschafft, sich in einer feindlichen Umgebung zu behaupten.
Damit hat Israel es als starke Nation in sozialdarwinistischer Hinsicht geschaft zu überleben und verdient Respekt von nationalen Gruppen.
Ich stehe noch ziemlich rat- und fassungslos vor diesem Artikel. Ich glaube, ich bleibe es auch einfach. Beim Lesen des Blogs wurde mir leicht übel und diese Übelkeit hält an. Um wirklich etwas Fundiertes über nasofi.blogspot.com zu schreiben, müsste ich die Artikel gründlich durchlesen und mir ist beim Überfliegen der Texte schon übel geworden.
Einen Blick wert sind auf jeden Fall die Kommentare. Die lösten beim Lesen schon Brechreiz aus.
Also gut, ich habe dofollow case by case installiert. Der Grund ist einfach: Ich benutzte selbst Blogkommentare um den einen oder anderen Link einzuheimsen. Allerdings bleibe ich dabei aus meiner Sicht fair. Ich gehe nicht systematisch die dofollow Listen durch (die ich natürlich alle habe), sondern kommentiere nur, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Darüber hinaus benutzte ich keine SEO Links, sondern meist nur meinen Namen oder Linktexte, die garantiert nicht gesucht werden. Ich sehe selber, wie SEO’s sich durch sinnvolle Kommentare einen Link abholen und kann dazu nur sagen: prima! Wir bloggen und wollen diskutieren und weiterkommen. Wenn man denn wirklich diskutiert.
Es gibt noch einen weiteres Argument, das ich so noch nirgends in dieser Form gesehen habe: wir wollen uns ja schließlich gegenseitig belohnen. Ich freue mich immer, wenn jemand auf eins meiner kleinen Projekte verlinkt und mir damit sagt: yup, schöner Content. Kommt leider selten vor, denn jeder SEO kennt die Regeln der Macht. Das gleiche gilt, wenn ich sehe, dass mein Kommentar angenommen wurde – mit Link. Heißt für mich a) Kommentar war fundiert und b) dein Blog ist einen Link Wert, auch wenn er nicht unbedingt in meinem Gebiet ist.
Meine E-Mail steht übrigens im Impressum: wer etwas Geistreiches posten will, soll mich einfach fragen und ich werde mich nicht lumpen lassen.
Ein weiterer Grund ist, dass ich mich langweile. Falls es zu schlimm werden sollte, dann kann ich ja immer noch diverse Spamabwehrtools installieren.
Einige Dinge möchte ich klarstellen:
- keine Anker mit umkämpften Suchbegriffen
- Kommentiert nur, wenn ihr was Sinnvolles zu sagen habt.
- wer meint, er kann hier über Araber lästern, liegt falsch. Ich bin dankbar darüber, dass ich in Ägypten Urlaub machen kann und meinen israelischen Paß nicht verstecken brauche. Ich bin froh, dass ich nach Petra in Jordanien fahren kann, wenn ich das will. Im Übrigen habe ich zulange in Deutschland gelebt, um nicht einige arabische Freunde zu haben.
- blauäugige Heulkommentare, dass wir den Palästinensern ihr Land abgenommen haben, lösche ich ebenfalls, denn ich weiß, dass jede vernünftige Argumentation am Ende mit “trotzdem” beendet wird. Das gleiche gilt für heuchlerische Kommentare über das israelische Militär. Nein, die IDF ist bestimmt nicht frei von Schuld, aber beten tue man in der Kirche und dort gehe ich nicht hin. Israel liegt nicht in Europa, wo wir alle von Krieg gründlich die Schnauze voll haben. Wer nicht versteht, dass hier andere Gesetzte gelten, kann sich auf linken Veranstaltungen ausheulen und anschließend sein Familientrauma analysieren.
- Letzteres heißt nicht, dass ich rückhaltlos hinter jeder Form von zionistischer Politik stehe. Vor allem amerikanische Siedler, die meinen, freiwillig ins Ghetto ziehen zu müssen (Siedlungen in der Westbank) widern mich an. In Israel geschehen Dinge, über die ich kotzen könnte, aber ich lebe hier, bin stolz darauf und versuche mich den Realitäten zu stellen.
Folgende Geschichte habe ich gerade auf muqata.blogspot.com gelesen. Der Blogpost ist auf English und wurde von Jameel gepostet:
”
Dieser Blogpost basiert auf einem Interview, das am 19.05.2008 vom israelischen Armeerundfunk (Galei Tzahal) gesendet wurde. Interviewed wird der Kommandeur eines Checkpoints zu den palästinensischen Gebieten.
Der Kommandeur ist 22 Jahre alt, dient in der sogenannten Nachal Brigarde und berichtet von einem Vorfall, der sich innerhalb von acht Sekunden zutrug (sein Name wird nicht erwähnt):
Ein 16 Jahre alter Palästinenser (so alt sah er jedenfalls aus) näherte sich dem Checkpoint der israelischen Armee (IDF).
1 Sekunde
ein Soldat (Michal) bemerkt, dass der Junge nervös wirkt und sich ständig umschaut. Sein Hemd sieht ausgebeult aus.
2 Sekunden
Er geht durch den Metalldetektor und es piept. Michal fragt, warum sein Hemd ausgebeult ist.
3 Sekunden
Er zieht sein Hemd hoch – auf seinem Körper haften drei Bomben.
4 Sekunden
Michal schreit, “Bombe am Checkpoint” und alle Soldaten folgen den Anweisungen für terroristische Übergriffe auf Checkpoints. Der Checkpointkommandeur richtet eine M16 (ein Maschinengewehr) auf den Terroristen.
5 Sekunden
Michal schreit: “Hände über den Kopf und dort halten”.
6 Sekunden
Der Palästinenser hebt seine Hände, zögert, seine Hände zittern.
7 Sekunden
Seine Hände gehen wieder nach unten in Richtung der Bomben, die an seiner Brust haften.
Der Checkpoinkommandeur schießt ihm in den Kopf.
8 Sekunden
Der Terrorist beginnt zu fallen, seine Hände scheinen aber immer noch in Richtung der Bomben zu zucken. Der Kommandeur schießt drei weitere Salven in seinen Kopf und passt dabei auf nicht die Bomben zu treffen.
Resultat: keine toten Soldaten, ein getöteter Palästineser.
In den letzten beiden Jahren hat sich viel auf dem Online Wörterbuchmarkt getan. Ich ärgere mich etwas, weil ich diese tollen Tools vor zwei Jahren als ich Hebräisch gelernt habe, noch nicht zur Verfügung hatte.
Meine Suche nach English/Hebräisch Wörterbüchern führten zu immer den selben nervigen Bezahlseiten. Der Ulpan (die Hebräischschule) war noch rückständiger: es wurden Lernhilfen in Form von Kassetten ausgeteilt. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal mehr CD’s.
Im letzten Jahr hat sich das Hebräisch – Englisch Wörterbuch Morfix.co.il einen festen Platz auf den vorderen Rängen bei google erkämpft. Seit ich morfix.co.il kenne, ist das English/Hebräisch Wörterbuch nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken.
milon.li (Hebräisch für Wörterbuch) bietet darüber hinaus einen Überblick über die hebräische Grammatik und wertvolle Links für Hebräischinteressierte. Für Fortgeschrittene ist das Wörterbuch aber das Highlight.
Auf jeden Fall bedanke ich mich bei Ingrid Kaufmann für das Veröffentlichen ihres Wörterbuches, sponsore sie hiermit mit ein paar Links und hoffe, dass Sie für den Suchbegriff “hebräisches Wörterbuch” in den nächsten Tagen auf Platz 1 bei google ist, denn dort gehört milon.li ohne Zweifel hin.
Eigentlich bin ich Soziologe. Bevor ich angefangen habe, das deutsche Internet unter den verschiedensten Pseudonymen (meist weibliche) vollzuspammen habe ich Soziologie studiert und danach in einem angesehenen Marktforschungsinstitut gearbeitet.
Nie zuvor ist mir so klar gewesen, was Sprache für Beziehungen oder Partnerschaften ausmacht. So ein richtig zünftiger Streit in einer Beziehung? Seinen Partner so richtig anschreien (feistes Händereiben)? Versuchen Sie es mal auf Englisch oder noch besser auf Hebräisch. Die Emotionen, die für das Verständlich machen der wichtigen Botschaft, die in das Schreien, den Ausdruck hineingehören finden ihren Weg plötzlich nicht mehr. Das Klar machen, dass einem etwas wichtig ist, Grundbedürfnisse betroffen sind und dies mit Gefühlen zu untermauern verfängt sich plötzlich im Babel.
Plötzlich, als ich abends mal wieder auf das Meer schaute und darin versinken wollte, wurde mir die Dimension von Sprache in Beziehungen klar. Etwas soziologisch zu analysieren oder etwas auf individueller Ebene nachvollziehen zu können, sind zwei Paar Schuhe. Abgefahrenes soziologisches Geschwafel war noch nie mein Ding: kommt zur Sache Soziologen und hört auf, Euch hinter drei Seiten langen Sätzen zu verstecken.
Ich merke, wie schwierig es ist, mit einer Partnerin zu kommunizieren, wie schwierig es für uns beide ist, uns auf etwas so natürlichem wie Geschlechterrollen zu artikulieren.
Ich bewerbe mich zur Zeit recht intensiv im heiligen Land wo Milch und Honig fließen. Dabei ist folgende Geschichte passiert. Bevor ich das Gespräch wiedergebe, muss ich aber erst den Hintergrund erklären:
Es ist mir noch nie passiert, dass das erste Bewerbungsgespräch tatsächlich stattgefunden hat. Die HR Tanten rufen einen an und vereinbaren einen Termin, den sie später möglichst kurzfristig mit dem Kommetar “excuse me for the short notice” absagen.
Ich bin nicht der einzige, dem das passiert, es scheint Teil einer übergeordneten Sinngebung oder vielleicht einfach eine Taktik zu sein. Ben meint, es handelt sich um eine Zermürbungstaktik. Da bin ich mir nicht so sicher, hat man das Prinzip nämlich einmal begriffen (freilich, ohne eine Erklärung dafür zu haben), stellt man sich einfach darauf ein.
Nun bekam ich gestern einen Anruf:
- Hallo ich bin XY von der Firma XX.
- Ja, Maxime spricht
- Du hattest einen Termin für ein Bewerbungsgespräch und bist nicht gekommen!
- Tja, äh das ist richtig. Aber wieso hätte ich denn kommen müssen, der erste Termin wird doch immer abgesagt.
-
- (sie war wohl wie vom Donner gerührt)
Ich sagte:
- ich muss Dir wohl nicht erklären, wie man einen Termin für ein Bewerbungsgespräch festlegt. Termin vereinbaren und den Termin dann kurzfristig mit dem Kommentar excuse me for the short notice absagen.
- stimmt, das hatte ich vergessen.
- macht nichts, können wir uns denn diese Woche noch treffen?
- äh, passt es Dir morgen gegen 15 Uhr?
- nein, da arbeite ich ja noch. Geht es auch abends?
- Ja, ich habe noch einen Termin um 17 Uhr frei.
- Gut, den nehme ich.
Diese Geschichte ist erstunken und erlogen.
PS: seit ich dieses Blogpost geschrieben habe, wurden kein Bewerbungsgespräche mehr abgesagt. Schlimmer noch, ich bekomme vor dem Termin einen Anruf, ob ich denn kommen würde.
Schlimmer kann es nicht kommen: Moses hat sein eigenes Volk verkauft und gezwungen, 40 Jahre durch die Wüste zu irren. Ich finde das einfach nur zum kotzen und habe keinen Bock mehr auf diese lausigen Geschichten und vor allem keine Lust mehr auf die Interpretation von Raschi. Doch halt, eigentlich fing alles mit Pessach an:
Wen interessiert es, woher dieses dämliche Pessachfest herkommt und warum die Juden 40 Jahre durch die Wüste irren mussten? Mich! Selbst Schuld heißt die immer noch aktuelle Interpretation von Raschi aus dem Mittelalter. Gott hat uns Juden bestraft, weil wir das goldene Kalb angebetet haben. Daraufhin zerbrach Moses die Steintafeln mit den ersten 10 Geboten und ging wieder auf den Berg Sinai hoch.
Zu schnell? Ok, sorry. Das Volk Israel verließ – von Gott geleitet – die Sklaverei in Ägypten, um von Moses verkauft zu werden. So zumindest interpretiert es Raschi. Das Volk Israel verließ die ägyptische Sklaverei, nachdem Gott die Ägypter mittels der 10 Plagen dazu genötigt hatte. Vielmehr war es nur die letzte Plage, die Pharao überzeugte. Die ersten neun Plagen verfehlten ihre Wirkung. Erst als er jeden erstgeborenen Sohn tötet, war Pharao überzeugt. Die einzige Ausnahme war Pharao selbst. Das macht natürlich Sinn, es musste ja einen geben, der die Juden ziehen ließ. Eine Frau hätte niemals so viele Menschen umgebracht, ich leite daraus ab, dass Gott männlich ist, oder zumindest die Leute, die damals über Gott geschrieben haben.
Aus Gründen, die ich nicht recherchiert habe, durften die Juden kein gesäuertes Brot essen. Das wird heute zum Anlass genommen, Menschen wie mich in eine Depression zu stürzen: Depression wegen Kohlenhydratmangel. Während des Passahfestes darf kein gesäuertes Brot gegessen werden. Das schließt Nudeln, Brot, Bier und Hamburgerbrötchen ein. Natürlich auch Pizza.
Nun irgendwann mal sollte die Sache klar gemacht werden, der Bund mit Gott und Moses ging den Berg Sinai hoch. Er verbrachte eine lange Zeit dort oben und redete mit Gott. Dieser – so die Überlieferung – gab ihm die 10 Gebote und ne Menge drum herum, so z.B. dass man das Zicklein nicht in der Milch der Mutter kochen darf. Zu Deutsch – Fleisch und Milch dürfen nicht gemischt werden. Aber verkünden tat Moses das erst, als er zum zweiten Mal herunterkam. Denn das erste Mal missglückte laut Überlieferung:
Er ließ sich Zeit da oben bei seiner ersten Kontemplation. Das Volk war führungslos und bastelte ein goldenes Kalb. Vermutlich hatten sie Hunger oder wollten einfach mal wieder ein saftiges Steak statt Matzen essen. Moses kam dann irgendwann doch noch mal runter und war sauer. Warum habt ihr nicht an mich geglaubt? Warum verpönt Ihr Gott, während ich mit ihm spreche? Zerbrach die Tafeln mit den 10 Geboten und ging wieder hoch. Dabei war das Volk sich selbst überlassen und war einfach nur ein bisschen undiszipliniert. Die Führung verpisst sich ein paar Wochen einfach und erwartet, dass alles Friede Freude Eierkuchen ist, wenn sie zurückkommt. Moses war also in Wirklichkeit eine Frau. So überreagieren kann nur eine Frau.
Und hier wird es spannend.
Raschi interpretiert, dass Moses dort oben einen Deal mit Gott schloss. Das Volk Israel durfte ins heilige Land, aber nicht die Generation, die das goldene Kalb angebetet hatte. Wer ist Raschi? Schlomo ben Jizchak, auch Schelomo ben Isaak, einfach nur Raschi genannt.
Bibelforscher hatten sich vorher den Kopf zermartert, warum das Volk Israel so dämlich war, 40 Jahre für den kurzen Weg von Ägypten ins Land Kanaan zu brauchen. Dabei wurde es sogar von einem Engel geführt. In die Irre ganz offensichtlich. Eine harte Strafe für ein kleines goldenes Kalb oder einfach Lust auf ein saftiges Steak.
Dabei war Raschi einfach nur ein fleißiger Leser und brillanter Kopf. Er war der erste Kommentator, der diesen Sachverhalt herausstrich. Den Sachverhalt, dass das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste irren musste, damit die Generation, die das goldene Kalb angebetet hatte, stirbt und die ‘reine’ neue Generation ins gelobte mücken und malariaverseuchte Land einziehen kann.
Die Interpretation lag auf der Hand. Wieso brauchte das Volk Israel so lange für diesen Weg, den man in einigen Monaten hätte zurücklegen hätte können?
Warum dauerte es so lange, bis einer sie niederschrieb? Vielleicht, weil die Konsequenz dieser Interpretation so grauenerregend und menschenverachtend ist, dass man es dem heiligen Volk nicht zumuten konnte. Ich weiß es nicht. Jedenfalls scheinen sich bis heute nicht sehr viele Juden darüber zu beschweren.
Bevor ich 30 geworden bin, war ich stolz darauf diese Interpretation zu kennen. Mit 33 gab ich diese Geschichte einmal vor einem brillanten Immobilienmakler zum Besten. Er schaute mich nur an und sagte: “Don’t believe in this shit”. Mir wären fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Ich war wie vom Donner gerührt. Ich sprach nicht mehr mit ihm darüber, aber ich bin mir sicher, dass er diesem Text bedingt zustimmen würde.
Mit einer kleinen Nuance. Es ist gut, dass das Volk daran glaubt, es ist schön gefügig und lässt sich weiter ausbeuten. Das wäre vermutlich seine Interpretation.
Moses kam also wieder runter – den feisten Deal geschlossen – und führte das Volk 40 Jahre im Kreis. Solange, bis sie alle gestorben waren und die ‘reine’ Generation das heilige Land Kanaan betreten durfte.
Scheiße, das nächste Mal kaufe ich mir vor dem Passahfest 20 Kilo Nudeln und ein halbes Schwein, das ich in fünf Litern Sahne kochen werde.
Junge, ich wollte eigentlich nur ein gemütliches Passahfest verbringen. Stattdessen habe ich die volle Ladung Depressionen bekommen und auch noch angefangen Philippe Djian zu lesen.
Heute ging es mir deutlich besser und mir wurde schnell klar warum: das Fehlen von Weizen oder Nudeln hatte wohl zu der Depression geführt. Da waren meine ganzen Vorsätze, tolle Sachen über das Passahfest zu schreiben wohl vergessen. Ich konnte einfach nicht. Eine völlige Antriebsarmut überkam mich in dieser Zeit.
Während des gesamten Passahfestes ist der Genuß von Weizen verboten. Nicht, dass man in Tel Aviv kein Brot oder keine Nudeln bekommt. Tel Aviv ist weltlich genug, um sich gegen religiöse Handschellen zur Wehr zu setzen. Aber irgendwie habe ich doch mitgemacht.
Morgens ein Mazebrötchen, mittags einen Salat und abends ein Bier. Das Bier wäre natürlich ebenso verboten gewesen, da es vorrangig aus Weizen hergestellt wird. Das habe ich mir nicht nehmen lassen, genutzt hat es aber nichts.
Pizza Hut ist über Pesach geschlossen und Burgerking verkauft Hamburger im Mazebrötchen – würg. Die Depression über das Passahfest hat mich voll erwischt und sie dauerte bis ca. 200 Gramm Nudeln.
Gestern Abend war es vorbei und ich bin wie in Trance in den Supermarkt und habe mir ein Kilo Nudeln gekauft. Eine große Portion gekocht und mir mit einer Tomatensauce und reichlich Pecorino reingefahren. Heute Morgen ging es mir deutlich besser. Nach der Nudelration zum Mittagessen endete meine Pessahdepression. Ich kam in Hochstimmung und erfreute mich des Lebens.
Das Passahfest ist vorbei und meine Depression auch. Das nächste Mal kaufe ich mir vor dem Fest 10 Kilo Nudeln, das schwöre ich!
Kunstdrucke verschiedener Künstler bestellen. Werke jüdische Künstler als Durck bestellen
Und eine weiteres kleines Projekt mit, das gut zum Thema cremeschnitten passt, es geht hier um auf Herrenunterwäsche, schließlich will auch eine cremeschnitte schön verpackt sein...
Auch "Die Goldene Anika" ist nun in Sachen Blogs aktiv. Ein wunderschöner Blog mit Gedichten, Bildern und kreativen Wortspitzen. Anikas Zebrahausen ist immer eine kleine Pause Wert.